Selbsthilfegruppe für Leukämie- und Lymphompatienten Halle (Saale)
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Liebe Freunde, liebe Besucher,

heute folgte ich einer Einladung von Dr. Rüssel, dem Chefarzt der Onkologie der Teufelsbad Fachklinik in Blankenburg im Harz. Da ich Dr. Rüssel bereits seit mehr als einem Jahrzehnt kenne, habe ich mich sehr über dieses persönliche Treffen gefreut. Im Mittelpunkt unseres Gesprächs stand ein gemeinsames Anliegen: Wie können wir die Erfahrungen unserer Selbsthilfegruppe für Leukämie- und Lymphompatienten in den Klinikalltag einbringen und damit erkrankte Menschen und ihre Angehörigen unterstützen?

Zu meiner freudigen Überraschung fand unser Austausch in einer größeren Runde statt. Neben Dr. Rüssel nahmen weitere Ärzte sowie medizinisches Fachpersonal an dem Gespräch teil. Dass sich gleich mehrere Mitglieder des Teams Zeit für das Thema Selbsthilfe nahmen, habe ich als besondere Wertschätzung unserer Arbeit empfunden. Die gemeinsame Runde bot die Gelegenheit, unterschiedliche Perspektiven einzubringen und miteinander darüber zu sprechen, wie eine Zusammenarbeit im Klinikalltag aussehen könnte.

Dr. Rüssel möchte die Selbsthilfe stärker in die Versorgung und Begleitung seiner Patienten integrieren. Dieser Wunsch ist ein wertvolles Zeichen der Anerkennung für die Arbeit unserer Selbsthilfegruppe. Er zeigt, wie wichtig es ist, neben der medizinischen Behandlung auch die persönlichen Erfahrungen, Sorgen und Bedürfnisse der Betroffenen einzubeziehen.

In unserer Selbsthilfegruppe erleben wir, wie wichtig der Austausch unter Menschen ist, die eine ähnliche Erkrankung durchleben oder durchlebt haben. Die Diagnose Leukämie oder Lymphom kann das Leben von einem Moment auf den anderen verändern. Neben Fragen zur Behandlung stehen häufig auch Ängste, Unsicherheit und ganz praktische Herausforderungen im Raum: Wie gehe ich mit der Diagnose um? Was hilft mir, den Alltag zu bewältigen? Wie spreche ich mit meiner Familie über meine Sorgen? Und wie finde ich nach einer anstrengenden Therapie wieder Vertrauen in meinen Körper?

Unsere Selbsthilfegruppe bietet Raum für solche Fragen. Hier können Betroffene offen sprechen, zuhören und ihre Erfahrungen miteinander teilen. Dabei muss niemand die eigene Situation erst ausführlich erklären. Vieles wird verstanden, weil andere ähnliche Gedanken und Gefühle kennen. Dieses gegenseitige Verständnis kann entlasten und das Gefühl stärken, mit der Erkrankung nicht allein zu sein.

Die Erfahrungen unserer Gruppe sind vielfältig. Menschen in unterschiedlichen Krankheits- und Lebensphasen bringen ihre Perspektiven ein: von der ersten Verarbeitung der Diagnose über die Zeit der Behandlung bis hin zur Rückkehr in den Alltag. Auch der Umgang mit anhaltender Erschöpfung, Veränderungen im Familienleben oder der Unsicherheit vor Kontrolluntersuchungen kann dabei zur Sprache kommen. Nicht jeder erlebt dieselben Belastungen, und nicht jede Erfahrung lässt sich auf andere übertragen. Gerade deshalb ist es wichtig, einander zuzuhören und unterschiedliche Wege im Umgang mit der Erkrankung kennenzulernen.

Selbsthilfe bedeutet für uns, Erfahrungen weiterzugeben, sich gegenseitig zu stärken und gemeinsam nach Möglichkeiten zu suchen, mit schwierigen Situationen umzugehen. Sie ersetzt keine ärztliche Beratung oder Behandlung, kann diese aber um die Perspektive der Betroffenen ergänzen. Manchmal hilft schon ein Gespräch mit jemandem, der aus eigener Erfahrung sagen kann: „Ich kann deine Sorgen nachvollziehen.“

Diese Erfahrungen möchten wir in die Zusammenarbeit mit Dr. Rüssel und seinem Team einbringen. Als Selbsthilfegruppe können wir vermitteln, welche Fragen Menschen auch außerhalb eines Arztgesprächs beschäftigen und welche Unterstützung sie sich für ihren weiteren Weg wünschen. Zugleich möchten wir Betroffenen den Zugang zur Selbsthilfe erleichtern und ihnen zeigen, dass sie auch nach ihrem Klinikaufenthalt Gemeinschaft und Austausch finden können.

Der Austausch in der großen Runde war dafür ein wertvoller Auftakt. Er bot die Möglichkeit, unsere Erfahrungen unmittelbar mit mehreren Mitgliedern des medizinischen Teams zu teilen und gemeinsam erste Überlegungen zur Einbindung der Selbsthilfe anzustellen. Für mich ist es ermutigend, dass dieses Anliegen im Team Raum bekommen hat.

Bei unserem heutigen Treffen haben wir erste Absprachen getroffen und damit eine Grundlage für die weitere Zusammenarbeit geschaffen. Nun gilt es, gemeinsam zu schauen, wie sich die Selbsthilfe sinnvoll in den Klinikalltag einbinden lässt. Dabei ist mir besonders wichtig, dass die Bedürfnisse der Patienten im Mittelpunkt stehen und sie unsere Angebote in ihrem eigenen Tempo kennenlernen können.

Ich freue mich über die Offenheit von Dr. Rüssel und die Bereitschaft, diesen Weg gemeinsam mit Hilfe unserer Selbsthilfegruppe zu gestalten. Aus unserer langjährigen Bekanntschaft kann so eine Zusammenarbeit entstehen, in der medizinische Fachkenntnis und persönliche Erfahrung einander ergänzen.

Ich freue mich auf eine harmonische und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit ihm und seinem Team. Gemeinsam möchten wir dazu beitragen, dass onkologische Patienten sich gut begleitet, verstanden und sich mit ihren Sorgen ernst genommen fühlen.

Eure Simone